| Den folgenden Text schrieb ich vor 19 Jahren, als ich auf Kreta | |
| lebte. |
| AUF DER SUCHE NACH SINN | |
| Das Leben der Tiere - die Ahnunglosigkeit ihres Daseins, vom |
Menschen gezüchtet, geboren, um ihn zu ernähren. Weiß ein Huhn warum es
Eier legt, es täglich vom Hahn besprungen wird und sich - ich weiß nicht, wie
lange danach - dann den Arsch verrenken muß für eine Sache, wegen der
außer kräftigen Gackerns nicht weiter für es abfällt? |
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Fressen, saufen, rülpsen, pissen, scheißen, furzen, ficken, ihre Kinder
beobachten, die als erfolgreiche Erwachsene immer schneller an der
Fortschrittsuhr, die wegen Überanstrengung immer langsamer tickt,
drehen lernen? Das soll der ganze menschliche Nutzen sein, alles was er in
seinem erhabenen Dasein zu tun hat? Noch weniger als ein blödes Huhn?
Ohne eigene Zukunft nach dem körperlichen Tod, nur Staub und Asche
gleich dem Sand am Meer? Sicher, die meisten der sattzufriedenen
Gesellen glauben daran, hoffen auf ihr tödliches Ende, ihren endgültigen
Tod. Und man läßt sie aus einem einfachen Grund in diesem desolaten
Glaubenszustand für ihre Existenz: Nur auf dieser Ebene läßt sich der
Egoismus ihrer Seele mißbrauchen, wandelt sich in einen anderen Egoismus
mit dem alten Namen "Nach mir die Sintflut", der jedoch zeitgerecht "Nach
mir nie wieder Leben" heißt. |
| Wissen die Körpermenschen mehr von ihrem Leben als ein Huhn? Ein |
alter Schlager besingt das ganze Elend dieser Welt: "Ich wollt', ich wär'
ein Huhn". Bei den meisten scheint nicht einmal dieser Wunsch erfüllt,
müssen wohl vor dem Menschsein erst Huhn werden. Zum Traurigsein ob
dieses unverschämt klingenden Kommentars kein Grund, schaust du mit den
Augen deines Herzens in die Welt. |
4. April 2009 |
Oft läuft ein Huhn eifrig Nahrung suchend durch
unseren Gemüsegarten, damit in der Gefahr, vom
erbosten Konstantin erschossen zu werden. Würde
es überhaupt fressen, wüßte es vorzeitig um sein
normales Ende, den Nutzen seines Daseins, daß
Pfanne, Teller und Bestecke schon bereit liegen,
menschlicher Hunger gleich dem eigenen nicht bzw.
ohne Motiv nicht abstellbar ist? Das Problem
beider liegt jedenfalls auf gleicher Ebene: Dem
Fleisch sagt keiner wo's lang geht; beide fressen
sinnlos wild drauflos. Dabei kann das Huhn im
Nachhinein für sich noch einen Nutzen entdecken,
indem es sich aus weiter Ferne sieht als
schmackhaft zubereitete Vor- und Hauptspeise,
dem Herrn zur Kräftigung dienend. Aber die
Menschen in Sarg und Urne, verbuddelt im Reich
der Würmer, Mäuse und Maulwürfe, können sich
einzig an ihrer Hinterlassenschaft befrieden, an
ihrem aktiven Teil Bruttosozialprodukt, ihrem
passiven, oft prasserischen, wirtschaftsfördern-
den Verzehr. Oder daß sie ihren Kindern Obdach
und Brot gaben, erfolgreich Zucht und Ordnung
"Das tut man nicht" weitergaben, sie mit
Traditionen "Das muß so sein" zu schwängern, sie in
die Gesetze zwängten, die unser Heute schufen. |