Wolfgang

Kenny



Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

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28. Juni 2009

Ein fester Platz

Als ich drei Jahre in Niedersachsen wohnte, gehörte die fast tägliche Rundfahrt um den See zu meinem Lebensrhytmus. Begleiter war stets Kenny, Brigittes Hund. Sie holte ihn aus dem Tierheim, und anfangs gings ihm gar nicht gut. Aber mit der Zeit wurde er ein richtiger Klassehund. Auf dem Bild kann man sicher nicht nur sehen, wie groß und stark er ist, sondern auch, wieviel Spaß er beim Spielen hat.

Das ist das letzte Foto von Kenny, das Brigitte mir vor ein paar Wochen schickte. Wir telefonieren ab und an miteinander, und gleich was sie erzählte, von Kenny war auch immer die Rede. Immerhin ist er mein Freund, Wegbegleiter in meinem Leben mit einem festen Platz in meinem Herzen.

Gestern schrieb sie mir:

"Kenny verstarb am 16. Juni 2009, nachts.
In seiner letzten Erdennacht war ich bei ihm, wir erzählten uns noch viel, und als ich meine letzte Frage an ihn stellte, atmete er noch einmal tief ein, und beim Ausatmen verabschiedete er sich von dieser Welt, und meine Frage war beantwortet".

Kann man sich von einem Herzensfreund verabschieden?

Habe gerade ein bisschen in meinem Tagebuch gelesen, und da fand ich diesen Abschnitt:

Ich bin verrückt, na klar. Oder sind nur meine Ziele absurd? Was maße ich mir an, wo noch nicht einmal die Evolution als sicher gelten kann. Ist Liebe auch nicht sicher? Wie verhält es sich mit der Struktur eines Systems? Kann man die anfassen? Wer hat sie geschaffen und wer hält sie aufrecht? Naturgesetze, geistige Gesetze, Kausalität - Blödsinn? Einfache Lösungen, die Wahrheit sei einfach?

Ob wahr oder unwahr, wir werden von Informationen geleitet:

Heute waren wir mit unserem Hund Kenny unterwegs. Er hat eine Stelle gefunden, die ihn brennend interessiert, ein Graben, auf dem reichlich Entengrütze schwimmt. Dort trinkt er momentan und verwandelt dabei seine untere Körperhälfte moorbadmäßig. Das Wasser scheint auch einen besonderen Geschmack zu haben, genau den, den er derzeit mag. Was ich damit sagen will: kein anderes Wesen interessiert sich für diesen Ort - nur für unseren Kenny hat er eine herausragende Bedeutung. Wir steigen dann vom Rad und beobachten sein offensichtliches Wohlbefinden, das, so behaupte ich, durch bestimmte Informationen entstanden ist.
(Einige Menschen glauben, wir lebten in einer Informationsgesellschaft - meine Wahrheit ist, wir und das ganze Universum ist Information)

Ich glaube, man kann sich nur theoretisch von Informationen befreien. Man kann sich von allem möglichen verbschieden, man kann vergessen, verdrängen, das Ende eines  Prozesses postulieren, aber der Prozess läuft passiv weiter.

Also kein Abschied von Kenny. Er ist da in mir, eine Größe, viele Erlebnisse, viele Gefühle, viele Informationen auf einer Ebene, wo Glück lebt. Dort lebt mein Kenny weiter.
"Danke mein Freund, für alles, und das war viel. Ich konnte nur einen besseren Hund aus dir machen - du machtest einen besseren Menschen aus mir".



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