Naturwunder, wo prachtvolle Schönheit und
Perfektion ineinander verlaufen, holte uns das
aktuelle Geschehen zurück in die Welt des Realen.
Wir sind zwar beide sehr pragmatisch orientiert,
aber, ich sage es mal offen, die Arbeit mit den
Bildern war eine mehr als erholsame Phase, die wir
auch beide dringend brauchten. Nun folgen ein
paar Schritte in die Psyche, Einblicke und
Betrachtungen in die Seele des Menschen.
Mein Thema lautet Bedürftigkeit. Im folgenden
spreche ich von einer existentiellen Bedürftigkeit,
und NICHT von mangelnder
Bedürfnisbefriedigung oder Krankheit, auch nicht
von einer zeitweisen, sondern von einer
grundsätzlichen Bedürftigkeit. Es ist dies ein
Zustand, den ich als "entgegengesetzt zur
Autonomie" beschreiben könnte - wenn Autonomie
ein für den Menschen möglicher Zustand wäre.
Selbst ein mit der Welt und sich selbst-
zufriedener Mensch kann jederzeit mit
Unwägbarkeiten/Schicksalsschlägen konfrontiert
werden, kann jederzeit äußerlich oder/und
innerlich so berührt werden, dass er zum
Suchenden, zum Getriebenen, zum Verfolgten
wird.
Sprechen wir mal kurz über Aspekte von Verlust.
Was man verlieren kann, muss geschützt oder
beschützt werden. Das betrifft sowohl Sachen, als
auch die Existenz des Körpers. Man ist als Mensch
Schutz-bedürftig. Man muss auf seine Gesundheit
achten, man ist vorsorge-bedürftig. Man ist auf
die Befriedigung von Grundbedürfnissen
angewiesen, man ist versorgungs-bedürftig. Im
Grunde ist jede Abhängigkeit die Folge von
Bedürfnissen - und diese Aussage stimmt auch
anders herum: jedes Bedürfnis schafft
Abhängigkeit. Jedes MUSS - und deswegen
reagiere ich auf diese vier Bucstaben äußerst
empfindlich - impliziert Abhängigkeit und
Bedürftigkeit.
Sprechen wir mal kurz über die "Menschwerdung".
Der körperliche Teil beginnt im Schutz des
Mutterleibs, der Gang in die Welt mit einer
traumatischen Geburt. Mit dem Geburtstrauma
haben viel Menschen ihr Leben lang Probleme. Die
Informationen über die Erlebnisse in den ersten
drei bis vier Lebensjahren eines Kindes
verschwinden - in der Regel für immer - in seinem
Unbewusstsein; das macht das Verstehen von
Verhaltensstörungen nicht leicht. Viele brauchen
ihr Leben lang Hilfe und Unterstützung, um mit
Problemen fertig zu werden.
Sprechen wir mal kurz über das "System Mensch".
Der Mensch hat sich nicht selbst erschaffen;
folglich kennt er seinen "Bauplan" nicht. Über die
körperlichen Funktionen wird immer noch
geforscht, und ich glaube, vieles glaubt man nur zu
verstehen. Seele, was ist das? Viel wurde darüber
geschrieben, es blieben Fragmente, die im Grunde
nichts erklären können. Des Menschen Geist wird
erkennbar in seinen Ideen, in seiner Moral und
Ethik. Und irgendwo im System taucht schließlich
auch das Phänomen der Liebe auf. Alle Element
stehen in Verbindung und interagieren miteinander.
Wie? Wüsste der Mensch das, wäre seine
Bedürftigkeit sicher um einiges geringer.
Sprechen wir mal kurz über das "System Welt".
Im System herrscht ein Zeitgeist, hier werden
Menschen von verschiedensten Kulturen
beherrscht, und die allermeisten Menschen
werden von Angst beherrscht, natürlich auch von
Verwirrung. Was "die da oeben" machen, was sie
wirklich vorhaben, man kann es nur ahnen. Und in
dieser Ahnung ist nicht enthalten, was "da Oben"
vielleicht noch bedeuten könnte, zum Beispiel ein
Gott oder ein Teufel, Erzengel oder Dämonen.
Menschen wereden sowohl äußerlich als auch
innerlich von den verschiedensten Elementen
beherrscht. Die ziemlich logische Folgerung lautet:
Menschen sind bedürftig. Sie brauchen vielerlei,
haben einen Bedarf, der sich aus Ideen der
Vergangenheit und der Zukunft in ihnen vereint zu
einer Vielzahl von Ansprüchen und Erwartungen, zu
Sehnsucht, Hoffnung und Verzeiflung führen kann.
Vielleicht darf ich das Gesagte in einem Satz
zusammenfassen:
Der Mensch ist in Bewegung, weil er bedürftig ist.
Anlass für meinen Beitrag war ein Gedanke, den
ich auf der Fahrt zu Susanne hatte. Der lautet:
Bedürftigkeit scheint eine fundamentale
Wesensart des Menschen zu sein.
Allerdings glaube ich nicht, dass Menschen leben,
um sich von anderen glücklich machen zu lassen.
Das funktioniert nämlich nicht.
Ich glaube, Leben bietet uns eine Option, zu
lernen, aus eigenem Vermögen glücklich zu SEIN.
Damit Schluss.
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