| Bei uns gibt es seit zwei Wochen ein |
Tagebuch, nun auch eine "Tagesschau". Was das
soll? Da wir ja beide nicht fernsehen, ja, nicht mal
die Tagesschau, nein, auch nicht die
Spätnachrichten, dachten wir, dass wir eigentlich
auf unseren Radtouren auch eine Art Tagesschau
erleben, sie selbst produzieren mit Erlebnissen und
Bildern. Und ich sage es mal unverblümt, was ich
glaube: viele Menschen kennen sich in China besser
aus, als in ihrer näheren Umgebung. Klar, China ist
natürlich ein wahnsinnig interessantes Land, und das
Ruhrgebiet ist stinklangweilig. Ja, wirklich? Wir
laden euch herzlich ein, uns auf unserer Tagesschau
zu begleiten. |
Während Wolfgangs Fahrrad unter die Lupe
genommen wird, und ich im Laden fotografiere,
nehme ich auch die Menschen und die Stimmung wahr.
Wer viel mit Menschen zu tun hat, der weiß, es gibt
nicht nur die Netten, es gibt eben auch die anderen.
Da ist zum Beispiel eine total sympathische Familie
mit drei Kindern im Laden, aber auch so'n schicker
Single-Typ, der sich ein sündhaft teures weißes
Rennrad kauft und von einem weiteren Ehepaar mit
einer Mischung aus Neid und Arroganz beäugt wird.
Was ich auch beobachte ist, dass hier jeder
zuvorkommend und freundlich bedient wird, auch
wenn er zehn Minuten nach Ladenschluss kommt, und
eigentlich nur ein bisschen rumnerven will. |
Die große Steinkugel auf dem Brunnen ist eins unserer
Herner Lieblingsmotive. Auch heute machen wir kurz Halt,
um ein Foto zu schießen, als uns eine ganz besonders
liebenswürdige Dame anspricht. Durch uns wird sie heute
zum ersten Mal auf das Spiegelbild auf der Kugel
aufmerksam, obwohl sie täglich auf dem Weg zur Arbeit
hier vorbeikommt. Und sie ist echt begeistert. Wir
kommen ins Gespräch. Sie sei nicht fotogen, antwortet sie
auf Wolfgangs Frage, ob er ein Foto machen dürfe. |
Wir fotografieren für unsere Homepage nur
Menschen mit einer besonderen Ausstrahlung,
Menschen, die uns etwas zu sagen haben und mit
denen wir uns verbunden fühlen, vielleicht weil sie
Dinge sehen, so wie wir sie sehen, vielleicht weil sie
isch dem Leben freudig, gefühlvoll zuwenden.
Deshalb gehört diese tolle Frau unbedingt auf unsere
Seite, ... |
Inzwischen ist es schon sieben, unser Bratwurststand
hat zu, und statt Würstchen zu essen fahren wir lieber
noch ein bisschen. Unser Ziel: Ein Eisenbahngelände,
auf dem wir im letzten Jahr tolle und VIELE Brom-
beeren pflückten. Mal schaun, wie weit die schon sind.
Den genauen Weg wissen wir leider nicht mehr. Aber
wenn wir auch ganz woanders ankommen sollten, es ist
ganz egal, solange wir unterwegs und beisammen sind. |
Wer es noch nicht bemerkte: wir sind hier in der
Redaktion zu Zweit und schreiben beide. Und ich
erlaube mir gleich eine kleine Ergänzung zu der Dame
im roten Shirt: Menschen wie sie, die aufmerksam,
bescheiden und freundlich sind, machen den wahren
Reichtum "unserer" Welt aus. "Herzlich willkommen!" |
... viel mehr jedenfalls, als irgend so ein Schönchen,
das vom Nagelstudio zum Fitness-Studio unterwegs
ist und in dem festen Glauben lebt, sich für
"Germany's next Topmodel" bewerben zu müssen. |
Bevor ich es vergesse, zwei nicht ganz so wichtige
Meldungen. Für unseren Weg nach Herne wählten wir
eine Strecke, die wir seit der Seite "Traumgarten"
besonders mögen - über die Lange Straße. Auch in
diesem Garten blühen derzeit wunderschöne Lilien. |
In unmittelbarer Nähe eines Eisenbahngeländes sahen
Vorbeireisende diese beiden Blumen wachsen. auf
Befragen antworteten die beiden Damen, sie seien,
obwohl niemand von ihnen Notiz nähme, nicht völlig
bedeutungslos. |
Auf der Gleisanlage eroberte sich die Natur ihren
Platz zurück. Niemand mag zwar glauben, dass die
Autos eine vorübergehende Erscheinung sind, aber ich
persönlich gölaube, dass Darwin in diesem Punkt recht
hatte: das Stärkere setzt sich durch, hier das, was
sich nicht selbst überschätzt |
Es gibt vielerlei Indizien für meine Annahme, dass die
Natur Abbild einer Macht ist, die unbesiegbar ist. |
In diesem verkommenen Häuschen halten sich, wenn
auch nur vorüber gehend, Menschen auf. Wie ist man
drauf, um in dieser Umgebung Zuflucht suchen zu
müssen? |
Diese beiden
Bilder zeigen
eine
"verkehrte"
Welt. Susanne
fotografierte
mal Landschaft
und ich das
Filigrane. Sehr
beruhigend für
mich zu fühlen,
dass wir
gemeinsam
vielseitig sind. |
Hunger ist ein unangenehmer Wegbegleiter. Als ich Susanne
ein paar Früchte vom Rande des Weges gefpflückt hatte,
dachte ich an den Spruch: Ein Vogel sorgt sich nicht um das
Morgen. Und auch Menschen brauchen sich nicht wirklich um
das Wesentliche sorgen - vieles Wichtige geschieht ohne ihr
Dazutun, und meist auch, ohne das sie es bemerken. |
Auf dem Heimweg erlebten wir beide eine ganz
wunderbare Stimmung, sicher mitverursacht durch einen
außergewöhnlichen Sonnenuntergang. Der wurde
erstmals deutlich bei diesem kleinen Teich. Susannes Bild
mag davon einen kleinen Eindruck vermitteln, und mir
gelangen auch noch einige interessante Bilder aus einer
Welt, in die alle Menschen Eingang finden können. |
Von diesem Bild waren wir gleichermaßen begeistert,
einer Sonne, die mit den Elementen ihre Spielchen
treibt. Weil es so schön ist, gibt's das durch ein Klick" in
galerie-groß anzuschauen, ein besonderer Service der
Redaktion. Das war eben ein Ereignis, das man im
Fernsehen NIEMALS zu sehen bekommt, oder nur als
kümmerliches Fragment. |
Das fast letzte Wort des Tages widmen wir einem
Phänomen. Sind Außerirdische in diesem Kornfeld
gelandet? Oder ging eine Genmanipulation völlig
daneben? |
Wie engagiert unsere Reporterin Susanne wirklich ist,
bewies sie auf dem steilen Berg in der Lange Straße.
"Halt mal an", rief sie mittendrin, und ich konnte ein
Foto machen von einem Edelsteingarten - wahrscheinlich
blau gefärbter Bergkristall, umrandet von Fuchsit. |
Als letzte Nachricht können wir hier bekannt geben,
dass auch der Sommerflieder wieder extrem prächtige
Blüten treibt. Allerdings können wir das Gerücht, dass
er sich nur schwer fotografieren läßt, nicht bestätigen,
und selbst die letzten politischen Nachrichten scheinen
ihn unbeeindruckt gelassen zu haben, jedenfalls diese
Blütendolde. |
Mit einem kleinen Blick in eine "Ander Welt" beenden
wir unser kleine Tagesschau - aus unserer Welt. |