dürfte wohl allen Lesern bekannt sein. Was wir
erleben bedeutet, was wir sehen und entdecken,
was wir denken und was wir fühlen. Das sind
Gefühle für eine Welt, die wir mögen. Oft fahren
wir Schleichwege durch Felder und Wiesen, vorbei
an Pferden und Kühen, begegnen Joggern, Reitern,
Spaziergängern mit Hunden, und gelegentlich
treffen wir auch mal einen Radfahrer. Aber das ist
nur die eine Seite der Medaille, deren andere Seite
auch Erregungen schafft, allerdings anderer Art:
Emotionen.
Heute Mittag fuhren wir Richtung Herne; es galt
etwas für unsere Fahrräder zu besorgen. Wir
wählten einen Weg, den ich besonders gerne fahre,
und wir hielten nebenher Ausschau nach Schlehen.
Die hatten bereits den ersten Frost abgekriegt und
sollen am kommenden Wochenende zu Gelee
verabreitet werden. an einer Stelle entdeckte ich
eine Schlehe, ein Stückchen weiter vier Stück, und
dann - dachte ich, dass der Knick ja eine Rückseite
hat, die nicht offensichtlich ist für an diesen
Früchten interessierte Spaziergänger. Ich stieg
vom Rad, und Suse nahm die Kamera, um die am
Wegesrand wachsenden Pilze aufs Korn zu nehmen.
tolle Bilder entstanden - eins zeige ich hier, mehr
mehr will, klickt auf das Bild und kommt auf eine
Extraseite.
Auf der anderen Straßenseite lärmt ein Bauer mit
seinem Trecker, nach ein paar Augenblicken
knattert ein Motorradfahrer den Feldweg entlang.
Susanne stromert fotografierend durch das Grün,
ich kämpfe mit den Schlehendornen und
Brennnesseln - erfolgreich, es wird am Ende ein
knappes Kilo der kleinen schwarzen Früchte
zusammen kommen. Unsere Reise geht weiter,
durch Seitenstraßen, mal ein Stück Hauptstraße, bis
wir zur alten Zeche ??? abbiegen. Ein Leiterwagen,
der nach Erntedank aussieht, ist ein Bild wert, auch
der Förderturm, dazu ein paar seiner Details -
Technik.
Von dort aus fahren wir einen sehr ruhigen Weg
durch den Wald, entlang eines Schrebergeländes.
Dann ist es vorbei mit dem Frieden, Hauptstraße,
Lärm, Abgase, die normale Welt. Erinnerte mich an
vorgestern Abend, als ich auf der Heimfahrt nach
Werne anhielt, um mir meine Handschuhe
anzuziehen - da war nichts, nichts, gar nichts zu
hören, vollkommene Stille. Ich erschrak ein
bisschen, so ungewohnt war das - weil für ein paar
Momente kein Auto an mir vorbei fuhr; ja, so ist
das: wir haben uns an vieles gewöhnt, das im Prinzip
nicht in Ordnung ist.
Auf dem Parkplatz des Supermarktes ein
jugendlicher Rollerfahrer, der auf fünf Meter zwei
Mal Vollgas und Vollbremsung zelebrieren musste.
Meine Ansprache half nichts - er fuhr auf die selbe
Art wieder ab. Auf den zweihundert Metern bis zu
Fahrras-Korte zwei haltende Autos auf dem
Radweg. Im Laden bei Frank dann ein paar
Momente Ruhe und strahlende Gesichter, weil ich
die Sattelstütze aus dem Rahmen bekam. Und
Frank gab mir eine Zusage, mich bei meinen
Fahrradseiten zu unterstützen - prima!
Fotografieren wir noch an unserem Ostbach? Nein,
wir fahren nach Hause. "Vorsicht, Scherben". Erst
gestern hatte Susanne zwei Mal eine Platten.
Flachmänner und Müll am Wegesrand. Hastende
Menschen, verkniffene Gesichter, ein Unfallwagen
mit Sirene, Fussgänger auf dem Radweg, eine
Baustelle. Da beginnt der zweite Teil meiner
Geschichte, an einer Stelle, wo es weder einen
Radweg gibt noch eine Abflachung des Bordsteins,
um eine Seitenstraße zu überqueren; wir beide
müssen absteigen.
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