schreibe ich das balanglos Scheinende mal auf.
Mein Tag begann um 0.00 Uhr. Ich lag auf dem Sofa und las in dem
Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind", von Erika J. Chopich und
Margaret Paul. So wie es meine Zeit erlaubt, werde ich hier Texte
daraus besprechen; es ist ein tolles Buch. Verstehen kann ich den
Ansatz der beiden Autorinnen deswegen besonders gut, weil er sich
genau auf der Ebene des "Toltekischen Wissens" bewegt.
Entsprechend begeistert lese ich natürlich, bis die Augen zufallen und
schlafe dann an Ort und Stelle, in den letzten Tagen überraschend
schnell, ein. Bemerkenswert eine kleine Geschichte, die ich hier einfach
mal reinstelle.
Der echte Tag beginnt um sieben Uhr, wenn das Prozedere "Moritz
muss zur Schule" anfängt. Ich gehe dann an den Rechner oder schlafe
im Schlafzimmer noch eine Weile. So wie heute, als wir gegen 11 Uhr
frühstückten und dann den "Arbeitstag" begannen. Ein paar Briefe
schreiben, ein paar Dinge besprechen, mit dem Fahrstuhl auf den
Dachboden und Wäsche aufhängen, gucken, was bei den vorgemerkten
Angeboten bei ebay passierte, für die Homepage die Seiten
vorbereiten über "Die vier Weisheiten" des Buddha. Dann freie
Planung.
Susanne wollte einen Brombeerkuchen backen und brauchte, kaum
glaublich, 1 Kilogramm Brombeeren. Wollen wir fahren? Ja, und wir
radelten mal eben um die Ecke auf eine alte Halde, auf der ich schon
vor Tagen reiche Beute machen konnte. Heute standen wir vor leeren
Hecken, fast leer, und wir hatten einige Mühe, ein paar
Hände voll zu finden; machte trotzdem Spaß, zumal es
nach der Kälteperiode relativ warm war. Zwischen Tür
und Angel, Susanne auf dem Weg in den Kindergarten und
ich auf dem Weg nach Castrop, gab es ein sehr konstruk-
tives, unemotionales Gespräch über Kindererziehung. Ich
war der Meinung, Moritz müsse das Wesen von Selbstver-
ständlichkeiten kennenlernen, und Susanne meinte, es
müsse auch ohne die normalen Domestizierungstechniken
(Belohnen oder Bestrafen) gehen. Finde ich auch, aber
möchte Moritz gerne Grundsätzliches zum Wesen einer funktionieren-
den Gemeinschaft "demonstrieren". Schauen wir mal.
Bevor ich die Kurve Richtung Castrop kriegte, fuhr ich erst mal ins
"Dorf", Trödel-Martin besuchen, Computer-Oli besuchen, Buch-
Martin besuchen. Fand ein Buch von Castaneda, "Ein Yaqui-Weg des
Wissens", und ein Buch von Alan Watts, "Psychotherapie und östliche
Befreiungswege". Ja, bei Martin braucht man nicht lange suchen, um
sich mit Lesestoff bereichern zu können. Viel wichtiger war unser
Gespräch über das gesellschaftliche System. Es ist für mich beinahe
unmöglich, einen kompetenten Gesprächspartner zu finden, sprich: ein
solcher Martin läuft mir nur alle paar Jahre über den Lebensweg.
Entsprechend berührt, bewegt, ja aufgekratzt war ich, als Susanne in
den Laden kam und sich auch in dem großen Fundus bediente.
Castrop, ein für mich mittlerweile mehr als nur ungeliebtes Zuhause.
Klar versorgte ich die Blumen, heute sogar sehr gründlich, klar freute
ich mich über das kleine grüne Paradies, besonders über die kleinen
Kümmerchen, die sich mit aller Kraft gegen ihren Untergang wehren.
Nur die blühende Vanda wird es wohl nicht schaffen, noch mal geblüht
und Abschied nehmen, so sieht es aus. Ein paar Sachen greifen und los,
vorbei am türkischen Laden - halt stopp, da liegen viele Gurken in der
Umsonstkiste, kurz fragen, ja ich darf mich bedienen, Moritz' beiden
Meerschweine fragen ja nicht, woher ihre Genussmittel kommen. Dann
aber den Berg hoch, links ab am Reiterhof vorbei und versuchen, noch
ein paar Brombeeren zu sammeln; man weiß ja, wo das "schwarze
Gold" hängt. Ein Schrecken, als "Etwas" den Berg runter donnert, an
dessen Ende mein Fahrrad steht. Denke, der Bauer hat da etwas nicht
unter Kontrolle und renne runter zu meinem Weggefährten, wie ich's
schon lange nicht mehr tat. Entwarnung, vor der großen Walze fährt
ein Trecker, Entwarnung.
Ein städtischer Jäger bereichert mein soziales Erleben, hält neben
mir an und fragt, ob ich Stellen wüsste, wo Schlehen wachsen, er wolle
mit Rotwein Likör daraus machen. Ne, da konnte ich ihm nicht helfen,
aber ein bisschen erzählen von meinen Erlebnissen, an denen Schlehen
maßgeblich beteiligt waren. Ob ich die Geschichten hier erzähle?, ne
jetzt im Moment lieber nicht, wir ist nicht nach lachen. Frohgemut
fahre ich nach Susanne, entdecke gleich den superspitze aussehenden
Brombeerkuchen, der leider erst mal abkühlen muss, darf mich dafür
an einem leckeren Broccoliauflauf vergreifen.
Das Kind schläft, Susanne schläft, die verrückte Welt schaltete ein
paar Gänge runter, und ich sitze hier putzmunter, ungeachtet der vor
mir im Regal liegenden Zähne, die mir vorgestern in Form einer
Brücke aus dem Mund fielen. Bräuchte ich sie derzeit, hätte ich sie
derzeit. Was hilft es schließlich, wenn man beißen kann und nichts zu
beißen hat. Vielleicht schreibe ich demnächst mal über Zähne, weil, das
ist ein echt heißes Thema, wenn man will.
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