Von Blasmusik, Fahnenschlag, Bier und Königen
LWL-Volkskundler geben Einblicke ins Schützenwesen
Seit Anfang Mai ist es wieder soweit: die Schützenfestsaison
beginnt. Eines der ersten Schützenfeste in Westfalen wird
wahrscheinlich dasjenige der Wehringhauser Schützengesellschaft
aus Hagen sein, das bereits am 4. und 5. Mai stattfand. In diesem
Jahr steht für die westfälischen Schützenvereine eine besondere
Veranstaltung an: Der Bund Historischer Deutscher
Schützenbruderschaften veranstaltet in der Zeit vom 14. bis 16. Mai
in Rietberg (Kreis Gütersloh) den 55. Bundesköniginnentag, um die
Arbeit von Frauen in den Bruderschaften und in der Gesellschaft zu
würdigen.
"Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Es gibt bis zum September fast
keine Woche, in der nicht irgendwo in Westfalen Schützenfest
gefeiert wird", weiß Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der
Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL). "Besonders beliebt sind die
Schützenfesttermine im Juni und Juli, weil man in diesem Monaten
eher auf gutes Wetter für die Feier unter freiem Himmel hoffen
kann. Auf der anderen Seite bevorzugten die Bauern traditionell
eher einen Termin vor Pfingsten, weil in der Zeit zwischen Säen und
Mähen weniger Arbeit anfiel", so die LWL-Volkskundlerin weiter.
Wann und wie lange Schützenfest gefeiert wird, ist von Verein zu
Verein unterschiedlich. Manche Vereine haben einen seit Jahrzehnten
oder gar Jahrhunderten feststehenden Termin, andere legen den
Schützenfesttermin jedes Jahr neu fest. Während einige Vereine
von Samstag bis Montag feiern, gibt es in anderen Vereinen lediglich
ein eintägiges oder sogar ein fünftägiges Schützenfest.
"Viele der westfälischen Schützenvereine blicken auf eine
erstaunlich lange Tradition zurück. Teilweise führen sie ihre Existenz
auf spätmittelalterliche Bürgerwehren zurück", erklärt Cantauw. Die
wohl ältesten Vereine gibt es in Dortmund (1378), Nottuln im Kreis
Coesfeld (1383), Breckerfeld im Ennepe-Ruhr-Kreis (1396), Datteln
im Kreis Recklinghausen (1397), Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis
(1403), Attendorn im Kreis Olpe (1410), Geseke im Kreis Soest
(1412) und Brilon im Hochsauerlandkreis (1417). "Auf der anderen
Seite gibt es aber auch nicht wenige Vereine, die im 19. Jahrhundert
von stolzen Bürgern als 'Bürgerschützenverein' zum Zweck der
Geselligkeit gegründet wurden".
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