Unsere Überschrift ist für mich ein wenig provokant, weil ich nicht mal weiß,
wss eine "Seele" ist. Aber Spaß beiseite, das Thema ist ja nicht ganz unernst.
Klar dürfte wohl sein, dass Wohlbefinden für jeden Menschen etwas anderes
bedeuten und auf verschiedenste Weise erreicht werden kann. Manch einer
fühlt sich beim Fasten wohl, manch anderer fühlt sich nach dem Essen unwohl.
Einer fühlt sich wohl, wenn er das Fernsehen anschaltet und abschalten kann,
ein anderer braucht Action und mehr als nur ein leichtes Kribbeln im Bauch.
Wohlbefinden, so viel scheint für den Moment deutlich zu sein, ist sehr
individuell und keineswegs ein klarer Fall, weil Ansprüche und Bedürfnisse
des Menschen sehr verschieden sind. Insofern glaube ich eben auch nicht an
die Gültigkeit von "Goldenen Regeln", die bei Befolgen automatisch zu
Wohlbefinden führen müssen, da der Fleissige, der Faule und der
Randalierer sich gleichermaßen im Gefühl des Wohls befinden können.
Interessanter für mich ist die Frage, ob Wohlbefinden zu definieren ist als:
die Abwesenheit von Schmerz, Angst und Verwirrung; da bin ich mir
jedenfalls nicht sicher. Und dann die Frage nach der Qualität des Wohls, ob
auch ein soziales und ethisches Maß dazu gehört. Ebenso die Stabilität des
Wohls und welchen Aufwand man für die Erlangung aufwenden muss.
Desweiteren sei die Frage gestellt, ob der Zustand des Wohls eine Frage
des Habens, des Tuns oder des Seins ist - oder ob gar alle drei Ebenen der
menschlichen Existenz in irgendeiner Weise, sozusagen ganzheitlich, daran
beteiligt sind. Nun ja, fragte ich mich gerade, ob man sich nicht einfach im
Zustand des Wohls befinden kann, ohne darüber zu befinden. Jedenfalls
wollte ich nicht einfach ein paar der bekannten Techniken aufführen, durch
die Wohlbefinden erreichbar sein soll.
Gott sei dank steht mir hier und sonst ja auch Susanne zur Seite und, das
fühle ich gerade, verhindert justamente durch ihre Idee, dass ich mich hier
mit meinen scheinbar tiefgründigen Gedanken völlig blamiere mit dem Ansatz
von den "Abgründen der menschlichen Seele". Sie sagte, wir sollten uns
einfach mal fragen, was die kleine Frida für ihr Wohlbefinden braucht. Wir
besuchten sie heute, waren natürlich begeistert über das kleine
quicklebendige Wesen, das in seinem Kinderwagen die ihm möglichen
Bewegungen ausführte - mit wechselndem Mienenspiel. Dazu gehörte auch,
meinen kleinen Finger kräftig anzupacken, und ich sage euch, das löste in mir
etwas mehr als nur normales Wohlbefinden aus.
Auf der Suche nach "Wohlbefinden und Baby", dass möchte ich hier mal
anmerken, fand ich sehr viel Werbung für Produkte, und fragte mich, ob
nicht, wie es früher vielleicht einmal üblicher war, allein die ganz natürliche
Mutterliebe für des Babys Wohl sorgen kann. Ich schreibe das mit dem
Hintergrund, ein Baby gewesen zu sein, das kurz nach dem Krieg geboren
wurde, zu einer Zeit also, als es um das nackte Überleben und nicht um den
Einsatz spezieller Produkte ging.
Meine Grundsatzfrage lautet: ist Wohlbefinden ein "natürlicher Zustand" für
den Menschen, oder muss er eine Leistung dafür erbringen? Beispiel: macht
man Yoga, um Wohlbefinden zu erschaffen - oder um eine Störung zu
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