Wohlbefinden ist eine ganz schön schwierige Sache, und das
Nachdenken darüber kann durchaus zu Unwohlbe-finden
führen - so wie das auf der quantitativen Ebene mit dem
Essen ist: reichlich ist gut, zu viel löst Unwohlsein aus.
Wohlbefinden ist jedenfalls - meiner Meinung nach - nicht
auf die einfache Formel herunter zu brechen: ... ist die
Abwesenheit von Unwohl. Klar kann man sich freuen, wenn
ein übel riechender Krug an einem vorbei rauschte, klar
kann man sich erfreuen an den Missgeschicken der
Anderen, klar kann Mensch sich an Ereignissen der
Vergangenheit erfreuen oder an seinen Planungen für die
Zukunft. Aber ist all das "echtes" Wohlbefinden? Muss
man seine Stärke fühlen, indem man einen "Feind" besiegt,
oder reicht es aus, so stark zu sein, dass man sich nicht
besiegen läßt? Was sind die flüchtigen Momente positiven
Erlebens wert, wenn man das nächste Unglück bereits
erwartet? Was sind das für Menschen, die sich an ihren
Diensten am Nächsten ergötzen und Selbstvergessenheit
auf ihre Fahne schrieben? Und was ist mit den rücksichts-
losen Egoisten und Ausbeutern, den Unterdrückern und
Neunmalklugen, die ihre niederen Triebe befriedigen
respektive ihre Dummheit bejubeln?
Reich, schön und dreist, nein, für derlei Wohlbefinden gibt
es bereits genügend Anleitungen, die hier nicht zu finden
sein werden . Hier geht es um andere Werte, um andere
Prämissen der Lebensgestaltung, und zwar um solche, die
einem Menschen Sicherheit und Kontrolle geben, die ihn
autonom machen, die ihn frei machen von überkommenen
Vorstellungen, wie ein Leben zu ordnen sei. Aber:
Die Chancen, glücklich zu leben, sind auf dem
Planeten Erde verschieden verteilt.
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