Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Gedanken zum Umgang mit Alkohol

17. Juli 2009

In dem Buch, das ich derzeit lese, stolperte ich über eine hübsche kleine Geschichte, die ich unseren Lesern nicht vorenthalten möchte. Vorweg schicke ich die Erklärung, dass den strenggläubigen Buddhisten sowohl das Töten von Tieren, als auch das Trinken alkoholischer Getränke untersagt ist.

Einem buddhistischen Mönch wurde von einem bösen Geist die Wahl zwischen drei Sünden gelassen: ein Schaf zu töten, sein Keuschheitsgelübde zu brechen oder Alkohol zu trinken. Nach langem Grübeln schreckte der Mönch vor den ersten beiden Sünden zurück und wählte die letzte als die scheinbar am wenigsten folgenschwere. Aber als er betrunken war und in der Aufregung alle Selbstbeherrschung verloren hatte, ging er zum Weibe und tötete dann noch obendrein ein Schaf, um seiner Geliebten ein Fest zu geben.

zitiert nach Alexandra David-Néel: Mein Weg durch Himmel und Höllen

Das ist doch sehr sinnig, oder? Das Thema "Alkohol" taucht bei uns immer mal wieder auf. Wir trinken beide keinen Alkohol, Wolfgang schon lange nicht mehr, und ich kaufte mir zuletzt zu Silvester ein Piccolo, das immer noch in meinem Kühlschrank vor sich hin dümpelt. Trotz dieser Abstinenz feierten wir ausgelassen, sangen laut und lachten so sehr, dass ich fast auf allen Vieren zum Örtchen kriechen musste. Überhaupt lachen wir gerne, und wenn wir Spaß haben, dann echten - und nicht solchen, der auf den Genuss von 7 Tequila Sunrise beruht und mit Kopfschmerzen und Übelkeit endet.

Warum trinken Menschen Alkohol? Irgendwie gehört es ja für viele zum Feiern und zur Geselligkeit. Und den Kindern und Jugendlichen wird suggeriert, dass es zum "Erwachsensein" gehört. Wolfgang erzählte mir, dass er von seiner Familie zu seiner Konfirmation vorsätzlich betrunken gemacht wurde - sicher eine Gaudi für die Beteiligten, insgesamt aber wohl eine abartige Idee, die eigenen Kinder abzufüllen.

Wir haben beide in unseren Familien und im Bekanntenkreis unzählige negative Erfahrungen mit Alkohol gemacht, mit geiernden, keifenden, kreischenden, heulenden, aggressiven, depressiven, schnarchenden Betrunkenen, mit vollgekotzten Autos - auch mit Alkoholkrankheit und dem daraus resultierendem Verlust des Arbeitsplatzes und Folgekrankheiten wie einer schweren Diabetes. Viele Gründe für uns, nicht zu trinken.

Derzeit steht ja mal wieder das "Koma-Saufen" der Jugenlichen auf der Sommerloch-Agenda. Auch in der Schule habe ich des Öfteren Gespräche zwischen den Schülern aufgeschnappt, in denen es ums Trinken ging. Und Einiges hörte sich da gar nicht gut an. In einem Arte- Bericht sagte einmal eine engagierte Politikerin, dass sie gegen die Interessen der Industrie, der Alkohol-Lobby, nur wenig Chancen habe, bestimmten Entwicklungen Einhalt zu gebieten. Damals ging es darum, die Preise für die sogenannten Alkopops zu erhöhen und so den Konsum einzuschränken. Wie in vielen anderen Dingen, hat auch hier die Wirtschaft die Nase vorn. Es ist eben gut für die Konjunktur, wenn konsumiert wird: Zigaretten, Benzin, hirnlose PC-Spiele, Horrorvideos und und und - und eben auch Alkohol. Was das mit den Menschen - und besonders mit den Jugendlichen und Kindern - macht, das ist bestimmten Leuten einfach völlig wurscht. Wenn sie dann allerdings irgendwo besoffen rumhängen, dann zeigt jeder gern mit dem Finger auf sie.

Jedenfalls zeigt ja die kleine Geschichte vom Anfang: Alkohol verändert das Verhalten eines Menschen, und das selten zum Positiven. So sind jedenfalls meine Erfahrungen. Und damit möchte ich erst mal schließen.

Beim Einkaufen erzählte uns ein sehr netter Iraker, dass heute Frau Merkels Geburtstag ist. Sicher gab es eine schöne Feier mit einer Auswahl erlesener Getränke. Die Obersten unseres Landes gehen wie immer mit gutem Beispiel voran.

Vor ein paar Tagen beobachtete ich im Freibad zufällig eine sehr laute, auffällige Frau, die plötzlich - sehr leise und heimlich - ihren Kaffeebecher mit Wein aus dem Tetrapack füllte. So saß sie denn morgens um halb elf mit ihrem Frühstückstrunk in der Sonne.

Wenn andere unterwegs ihren Flachmann auspacken, heißt es bei uns: "Prost Kaffee".

Online-Hilfe für Menschen mit Alkoholproblemen

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(Wolfgang)
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