Wir haben im Sommer einen Kaktus gekauft, der ein
echtes Waisenkind wurde. Hing in einer Ampel an
der Gardinenstange und war so unauffällig, dass ich
oft das Gießen vergaß. Meine "Einstellung", Kakteen
wären einfach da und brauchten keine besondere
Aufmerksamkeit, ist FALSCH. Aber es musste erst
die Winterzeit kommen, es mussten erst Wollläuse
kommen, um die notwendige Aufmerksamkeit zu
entwickeln. Unserem Stiefkind half es zudem, mit
dem Blühen anzufangen, dass wir sie würdigen
konnten und uns um Pflegtipps bemühten. Eine, so
finde ich, sehr schöne Abhandlung über die Rhipsalis
ist die folgende von der
Klostergärtnerei Maria Laach
56653 Maria Laach
gaertnerei@maria-laach.de – www.maria-laach.de
Rhipsalis
Rutenkaktus, Binsenkaktus, Korallenkaktus
Allgemeines/ Wissenswertes
Rhypsalis sind epiphytisch lebende Sukkulenten. Epiphyten
sind »Aufsitzer« die sich auf anderen Pflanzen ansiedeln,
um diese Nischen als Lebensraum zu nutzen. Meist
stammen sie aus den Regenwäldern wo jeder
Quadratzentimeter des Boden von Pflanzen hart
»umkämpft« wird.
Epiphyten sind keine Schmarotzer, die von Bäumen leben.
Sie sind autotroph, betreiben selber Fotosynthese und
können sich somit selber ernähren. Mit Ausnahme des
Korallenkaktus (R. baccifera) – der im tropischen Afrika
und auf Sri Lanka beheimatet ist – stammen alle Rhipsalis-
Arten aus Mittel- und Südamerika. Nahe Verwandte der
Rhipsalis sind z. B. der
Weihnachtskaktus (Schlumbergera) und der Osterkaktus
(Rhipsali-dopsis), die alle zu den Kakteengewächse
gehören.
Die Arten
Von den ca. 40 bis 50 Arten der Gattung Rhipsalis, werden
nur einige als Zierpflanzen angeboten, überwiegend als
Ampelpflanzen. Rhipsalis zeichnen sich einerseits durch
sehr dekorative – bis zu über 150 cm lang werdende –
Triebe, anderseits durch sehr anspruchslose
Pflegeanforderungen
aus. Die Artenvielfalt spiegelt sich besonders in den
Formen
der Triebe wieder: z. B. dreieckig, blatt-, röhren-, spagetti-
und sogar kettenförmig:
Die Blätter von
Rhipsalis cassutha – sicher die meist verbreitet Art -
ähneln runde Schuhbänder oder Spaghetti, sie haben einen
Durchmesser von ca. 2–6 mm.
Rhipsalis pilocarpa hat zylindrische, verästelte Zweige
mit einem Durchmesser von ca. 6 mm. Sie sind mit
Areolen (»Haarkissen« die bei Kakteen die Dornen sind)
mit weißen Haaren besetzt.
Rhipsalis paradoxa wird »Kettenkaktus« genannt – weil
seine Stiele, verbundenen Kettengliedern ähneln, die Stiele
werden maximal 14 mm stark. Auf den Verzweigungen
befinden sich ebenfalls eine Vielzahl von Areolen: klein,
wollig und weiß
behaart.
Rhipsalis trigona hat ungewöhnliche, dreieckige Stiele
mit einem Durchmesser von bis zu ca. 190 mm. Die stark
verzweigten Stiele haben ein feines Muster aus grauen
Sprenkeln.
Pflege:
Wie oben erwähnt, stellt die Rhipsalis keine besonderen
Anforderungen. Die Pflanze wächst bei einer Temperatur
zwischen 12 und 25° C. Rhipsalis fühlt sich an einem
hellen Standort mit einigen Sonnenstunden pro Tag
besonders wohl. Zu viel Sonnenlicht kann zu einer
Gelbverfärbung der Stiele führen, hat aber keine weiteren
Folgen. Gegossen werden sollten die Pflanzen im Sommer
wöchentlich, sie können aber unter Umständen 2–3
Wochen ohne Wasser auskommen. Im Winter reichen – je
nach Standort – zwei Wassergaben im Monat. In der
Wachstumsperiode fördern monatlich ein- bis zweimalige
Gaben von Kakteendünger gesunde, dunkelgrüne
Triebe. Bei guter Pflege und einer Winterruhe (bei
Temperaturen bis +10° C und reduzierten Wassergaben)
dankt sie es im Frühjahr mit kleinen, weißen sternförmigen
Blüten an den Triebenden!
Pflanzenschutz: Bei ungünstigem Standort können sich
Wollläuse einnisten, die man relativ gut mit Neem- oder
Paraffinöl-Produkten wie z. B. Promanal bekämpfen kann.
© Klostergärtnerei Maria Laach, 2005
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