Ich weiß nur, wo sie wachsen und wie man Holunder-
blüten- und Holundergelee herstellt. Mir kam es bis
heute auf den Geschmack an, jetzt geht's um Gesund-
heit und Heilung. Eine sehr schöne Einleitung fand ich
bei Kerstin Pumm:
Volksnamen: Elhorn, Eller, Flier, Alhorn, Holder,
Holderbusch, Holler, Zibke, Kisseke, Keilken, Pisseke
Holunder - Sambucus niger L.
Holunder gehört neben der Kamille zu den bekanntes-
ten Pflanzen der Volksheilkunde.
Im Juni erfreut uns der Holunderbaum oder -strauch
mit seinen hell-leuchtenden Blüten, im September mit
glänzend-schwarzen Beeren.
Der Holunder kann bis zu 10 m hoch werden, auffallend
ist der Geruch der Blüte, der nach persönlicher Em-
pfindung von angenehm bis unangenehm eingestuft
werden kann.
Holunder wächst an Waldrändern, auf sonnigen Waldschlägen oder in stark
gelichteten Wäldern, wir finden ihn aber auch in der Nähe menschlicher
Ansiedelungen und auf Schuttplätzen.
Bereits in der Mythologie spielte der Holler eine große Rolle, wurde er doch
zum Wohnsitz der schützenden Hausgöttin, Frau Holle, erhoben.
Schon vor Christi wurde Holunder von Theophrast von Eresos beschrieben
und die Schüler Hippokrates’ zeichneten eine Reihe von Heilwirkungen auf.
Auch Plinius Secundus berichtete über den Strauch.
Interessant in der Geschichte des Holunders ist die von Albertus Magnus
(ca. 1250 nach Christi) aufgeschriebene und von anderen Heilkundigen seiner
Zeit bestätigte These, dass die innere Rinde des Baumes, von oben nach
unten abgeschabt, ein Abführmittel, aber von unten nach oben abgeschabt,
ein Brechmittel sei.
Um den Holunder ranken sich eine Vielzahl von Volksbräuchen und -sitten. So
galt es als sicheres Todesurteil, einen Holunder zu fällen.
Wen wundert es, dass der Holunder noch heute fest in der Volksmedizin
verankert ist. Seine Schößlinge und jungen Blätter werden von April bis Mai,
die Blüten bei sonnigem Wetter im Juni und die Mittelrinde der Wurzeln von
Februar bis Ende November gesammelt. Im Februar/März sowie in der
Zeit zwischen Oktober und November sammelt man auch die abgeschabte
Mittelrinde der Äste und des Stammes und September ist die Sammelzeit
für die ausgereiften Beeren.
Neben dem beschriebenen Schwarzen Holunder kommen in unseren Breiten
noch der Zwergholunder und der Rote Holunder vor. Während der
Zwergholunder ebenfalls Heilwirkungen besitzt, bestehen diese beim Roten
Holunder nicht.
Zur Beachtung
Besonders bei der Anwendung der Rinde und Wurzel des Holunders müssen
die Mengenangaben gut beachtet werden, da eine Überdosierung zu
Erbrechen, starkem Durchfall und Entzündungen in Magen, Darm und Nieren
führen kann.
Die Beeren des Schwarzen Holunders sind niemals roh einzunehmen - sie
müssen vor der Einnahme immer leicht gekocht werden!
Geschichte und Mythologie
In der Zeit, in der die Menschen an das göttliche Walten der Frau Holle
glaubten, war es streng verboten, einen Holunderbusch zu fällen oder zu
beschädigen. Man glaubte, wer ihn fälle, werde unweigerlich von einer
Krankheit befallen. Noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert wird berichtet,
daß die Menschen den Busch um Verzeihung baten, wenn sie ihn fällen
mußten, um zum Beispiel Heilmittel herzustellen. Von einem schlesischen
Brauch wird berichtet: Bevor man etwas Holz vom Holunderbusch abbricht,
muß man die Hände falten, niederknien und den Strauch um Vergebung
bitten mit den Worten: Frau Elhorn, gib mir was von deinem Holze, dann will
ich dir von meinem auch was geben, wenn es wächst im Walde".
Eine der Heilwirkungen
Die abgeschabte Rinde und die zerkleinerten Wurzeln des Lieblingsbaumes
der Frau Holle waren als wirksame Mittel eingesetzt, um die
Harnausscheidung anzuregen. Sie werden auch heute noch bei Harnverhalten
und zum Entwässern bei Wasseransammlungen im Körper angewendet. Der
Kirchenlehrer Albertus Magnus hat im 13. Jahrhundert gar die Erkenntnis
verbreitet, daß die innere Rinde als Abführmittel wirkt, wenn man sie von
oben nach unten schabt. Wird sie umgekehrt von unten nach oben von den
Zweigen geschabt, wirkt sie als Brechmittel. Bis heute steht die alte Regel
in vielen Kräuterbüchern. Auch Blätter, Rinde und Wurzel haben eine
laxierende, emetische und diuretische Wirkung.
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