einfach und (scheinbar) mühelos kann man für Geld alles
immer beschaffen. Aber dieses Schlaraffenleben hat
seinen Preis: Zum einen haben wir keinen Einfluss auf
das, was uns mit dem Gekauften mitgeliefert wird an
Zusätzen, Schadstoffen, Rückständen, Giften,
künstlichen Aromen und und und... : Der Mensch ist, was
er isst! Zum anderen verlieren wir den Bezug zur
Nahrung, zum Lebens - Mittel. Wie viele Kinder wissen
heute, woraus Nudeln sind, wie man einen Apfel schält,
dass man einen Tortenboden auch selber backen kann?
Wer macht heute noch die Erfahrung, wie die
Lebensmittel und deren Zutaten riechen, sich anfühlen,
wie sie natürlicherweise schmecken - und eben nicht als
verarbeitetes - oder wie die Lebensmittelindustrie es
nennt "veredeltes" Produkt? Welches Kind sieht noch
Früchte wirklich wachsen und reifen, weiß, dass dieses
Reifen seine Zeit braucht, und dass im Laufe der
Jahreszeiten eigentlich nicht alles immer verfügbar sein
kann? Unsere Nahrung ist eben zu einem Produkt
geworden, so wie Autos oder CD-Player. Die gibt es ja
auch immer.
Was können wir tun? Wer sich entscheidet, seine
Ernährung nicht (ausschließlich) von der Industrie und
deren Interessen abhängig zu machen, der darf
zunindest keine Mühe scheuen, erntet aber mit dem
selbst Gepfückten, selbst Geangelten, selbst
Hergestellten einen Schatz an neuen - sinnlichen -
Lebens(mittel)erfahrungen und eine große Portion
Lebensfreude. Dazu kommt die Freiheit selbst zu
entscheiden, wie süß die Brombeemarmelade werden
soll, welches Salz in den Brotteig kommt, die Gewissheit,
dass der Fisch auch wirklich frisch ist - und damit ein
ganz anderer Genuss beim Essen.
Also, Wolfgang angelte leidenschaftlich, als er noch in
Norddeutschland wohnte, zum Beispiel Aale, die er
selbst schlachtete, briet und wahrscheinlich mit dem
größten Appetit verspeiste. Gemeinsam pflückten wir
Brombeeren für köstliche Marmelade, stellten feinstes
Holunderblütengelee her, sammelten Kamillenblüten für
Tee und Bäder. Nun schwärmte uns Moritz in der letzten
Zeit des öfteren vom frischen Brot vor, das sein Vater
in einem Brotbackautomaten backt. Das nahmen wir zum
Anlass, uns mal bei ebay nach einem solchen Automaten
umzusehen und - wie schon so oft - hatten wir Glück und
ersteigerten einen solchen für ganze 5 Euro nebst einem
hübschen Sammelsurium von Geschirr im "Indisch blau"-
Dekor. Vor ein paar Tagen holten wir unsere neuen
Schätze dann in Hagen ab, bei einem Studenten, der in
Schlappen auf dem Weg zur Uni war. Aber das nur am
Rande.
Und heute ist es nun so weit: Wir backen unser erstes
eigenes Brot in dem neuerworbenen Gerät. Und während
ich dies schreibe - es ist übrigens 2 Uhr 17 in der Nacht,
läuft das Teil auf Hochtouren. So gegen vier wird unser
frisches, duftendes, warmes Brot fertig sein.
Wir entschieden uns für den ersten Versuch für ein sehr
einfaches Roggenmischbrot. Die Zutaten:
250 ml Wasser
350 g Auszugsmehl
120 g Roggenmehl
2 Esslöffel Zucker
1,5 TL Salz
2,5 EL Butter
3 TL Trockenhefe
1 TL Brotgewürzmischung
Alle Zutaten werden in der angegebenen Reihenfolge in
den Knet- und Backbehälter gegeben. Dann wird der
Behälter in die Machine eingesetzt, das passende
Programm eingestellt, sowie die gewünschte
Krustenfärbung - und los geht's.. Nun, während diese
Seite entsteht, warten wir gespannt auf das Ergebnis.
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