Hier möchte ich meinen wertvollen Lebensbegleiter Ronald D. Laing
vorstellen. Sie beginnt mit einem Textauszug aus seinem Buch "Die
Tatsachen des Lebens".
"Als ich zur Psychiatrie kam, fing ich an, die klinischen Darstellungen
zu lesen. Zum Beispiel Schizophrenie. Als charakteristisch für sie
gilt, dass Denken und Fühlen dissoziiert sind. Das Denken hat sich
vom Fühlen los gelöst, und beide sind in verschiedener Hinsicht
durcheinander geraten. Sie könne beide zerfallen und
zusammenhanglos werden, oder das Denken kann in allzugeordneten
Bahnen verlaufen: es wird systematisiert, übertrieben logisch. Für
alles gibt es eine Erklärung. Es heißt, der Patient sei unfähig, auf
einer persönlichen Basis mit anderen eine Beziehung herzustellen,
er können sich nur mechanisch auf andere 'beziehen'. Er oder sie
ist 'autistisch'. Schlimmer noch: wie einer auch denken mag, es ist
unverbesserlich falsch, vernunftwidrig und - in des Wortes
schlimster Bedeutung - dogmatisch. Wir rechnen damit, in der
Gruppe der Schizophrenen so genannte 'katatonische' Symptome zu
finden, eine Unfähigkeit also, sich anders als in einer eigenartig
steifen, mechanischen Art zu bewegen, ähnlich den Bewegungen
eines Roboters oder irgend einer Maschine. Dann gibt es ein ganzes
Spektrum an anderen Dingen, die mehr oder weniger klar auftreten
oder nicht auftreten. Es gibt verschiedene Bezeichnungen dür
ziemlich dieselben Dinge. Man rechnet immer damit, eine gewisse '
Entpersönlichung' zu finden; 'Verarmung der Gefühle';
Unfähigkeit, Beziehungen einzugehen; Autismus. Der Kopf (kognitive
funktion) ist vom Herzen getrennt. Lehrbücher schildern
Gefühlskälte, mangelnden Weitblick, Unzugänglichkeit,
Roboterbewegungen, Mechanisierung, Verlust des Sinnes für
Qualität, oft selbst geäußerte Gefühle von Zweck- und
Sinnlosigkeit. 'Schizoide' Individuen haben vielleicht ein 'Einsehen',
aber es ist gefühl- und herzlos; ihr Denken ist vielleicht präzise,
aber es ist ohne Herz."
Und nun kommt SEIN Gefühl, eine Analyse dessen, worin er selber
steckte, die medizinische Fakultät:
"Als ich während des Studiums zum ersten Mal auf diese
Darstellung in medizinischen Lehrbüchern stieß, schienen sie mir
eine sehr gute Schilderung der Medizin selbst, einschließlich der
Psychiatrie. Die Herzlosigkeit, die Trennung, die Spaltung von Kopf
und Herz. Die all dem zugrunde liegende Zersplitterung, ja
Zersetzung, und deren Nichtanerkennung und Projektion."
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