Lebensweisheit, die ich vor vielen Jahren lernte und seitdem befolge: "Hüte dich
vor Menschen, die ihren Gott im Außen suchen."
Allerdings pflichte ich ihm bei der Verwendung des Begriffs "Religion" nicht bei.
Religion ist für mich DIE Lehre von der Vergangenheit als einem schöpferischen
Prozeß, während Glauben für mich eine reine Interpretation dessen ist, was ich als
Wahrheit bezeichne: den Sinn und Zweck des Lebens.
Dazu Ludwig Feuerbach (dt. Philosoph, 1804-1872):
"Der Religion ist nur das Heilige wahr,
der Philosophie nur das Wahre heilig."
Und Nietzsche (dt. Philosoph, 1844-1900, Der Antichrist) schrieb:
"Glaube heißt nicht wissen wollen, was wahr ist."
Ob es "Gott" gibt oder nicht, ist für mich persönlich eine müssige Frage. Gott
gehört zum Weltbild!, auch wenn die verschiedensten Vorstellungen über ihn oder
ES in Umlauf sind oder geglaubt werden; Gott gehört seit Urzeiten zum Zeitgeist.
Ich kenne keine Kultur, in der er nicht gegenwärtig war, eine wenn auch
verschiedenartige Rolle spielte für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft.
Aber wozu brauchten Menschen einen "Gott"? Woher stammt der Gedanke an
IHN, und warum hält er sich im Geist so hartnäckig? Hat Kurt Tucholsky (dt.
Schriftsteller, 1890-1935) mit seiner Aussage Recht:
"Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn's ihm gut geht
und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion."
Bedeutet wohl: wenn Mensch hier auf Erden durch Ängste die "Hölle" erlebt,
braucht er (psychisch sozusagen) als Gegengewicht einen Himmel, der ihm gute
Gefühle macht. Scheint funktioniert zu haben, jedenfalls in einem geiwssen
Rahmen auf einer gewissen Ebene.
Besonders ein Grund ist es, der mich von der Kirche fernhält: die Lieblosigkeit, die
ich dort immer wieder erfahren habe. Jesus IST für mich die verkörperte Liebe.
Die Kirche nahm ihn sich als Gallionsfigur, aber sie kann ihn nicht praktizieren -
ist so, als machte man auf einen Trabbi einen Mercedesstern. Insofern mag man
die Menschen verstehen, die ihre Welt als "gottlos" empfinden. Und ob die Welt
gottlos erscheint wegen der Kirche, das muss wohl jeder für sich selber
herausfinden.
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