Die Gläubigen sind selten Denker und die Denker selten gläubig; sagte ein
"Hans Daiber". Ich kenne ihn nicht, aber als ich seinen Ausspruch las, musste
ich leicht schmunzeln. Ich begegnete in meinem Leben sehr vielen Menschen,
aber ich lernte stets nur solche kennen, die mit der Kirche absolut rein gar
nichts am Hute hatten - woraus klar erkennbar sein mag: ich auch nicht. Sie
alle waren sehr warmherzig und im Besitz einer natürlichen Klugheit, die ich
Herzensbildung nennen möchte. Klar hatten sie alle auch einen Glauben, aber
scheinbar fühlten auch sie: wer Christ sein, Christ leben will, kann das
überall versuchen, nur in einer "Kirche" kann das keinesfalls gelingen.
Das klingt sehr dogmatisch. Deswegen möchte ich eine kleine Geschichte
erzählen. Eine Zeit lebte ich auf Kreta und kam durch einen Freund in
Kontakt mit Erzbischof Irenäus. Weil ich mich in dieser Zeit sehr intensiv mit
Gott und Geist auseinandersetzte, wagte ich ihn um einen Besuch zu bitten -
und ich durfte ihn in seiner Residenz, eine sehr schöne Klosteranlage,
besuchen. Es wurden überaus glückliche fünf Tage für mich, weil es sich
überall und immer anfühlte, als sei alles von seinem liebevollen, klaren
Geist durchdrungen. Er ist die Ausnahme gewesen, die meinen anderen
Lebenserfahrungen widerspricht. War er ein Schwarzes Schaf?
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