Aus dem Bordtagebuch - 1 -
Ich bin an Bord, wohne auf dem Wohnboot vom Fischer und sin
Fru. Kopfzerbrechen bereitete mir nur der Gedanke an die
Bordkatze. Mein Kater Walter mußte ja mit von der Partie sein,
aus Gründen, die in der Person meines Vermieters Curt, der
gerne Kaninchen ißt, begründet sind. Außerdem ist er ein Bauer,
ein typischer Bauer mit einem Verständnis für das Leben von
Tieren, das beim reinen Nutzendenken stehen bleibt: von Liebe
keine Spur.
Walter blieb hier an diesem für Katzen ungewöhnlichen Ort
beileibe kein Kater, und hoffentlich versucht er nicht Karpfen zu
spielen. Walter bewies gleich, er ist ein Fuchs. Während ich
schreibe, liegt er verdauend, vertraulich schnurrend neben mir
auf der Sitzbank. Gelegentlich furzt er mit der Qualität
"genehmigunspflichtig", schreckt mich mit seinen übelriechenden
Dämpfen aus den meist tiefsinnigen Gedanken. Mein Schimpfen
geht ins Leere, denn er macht sich sofort auf und davon, weil er
riechen kann, und durch mein Fluchen lernte, daß ich es auch
kann. Natürlich steht auch die Katzentoilette im Wohnzimmer,
Wohnklo mit Einbauküche, so ein Schiff, aja, na ja. Aus Gründen
der Sparsamkeit und aus Bequemlichkeit säubere ich sein Klo
nicht jeden Tag. Walter ist sauber, er ekelt sich, genau wie ich
und andere Katzen vor einem dreckigen Klo. Heute sah ich, wie
ein schlauer Fuchs ein schmutziges Klo benutzt. Der Gute stellte
sich nur mit seinen Hinterpfoten in die Plastikschüssel. Bravo,
Walter, wo ein Wille bleiben auch hier an Bord und trotz meiner
sparfürsorglichen Wurstigkeit beim Scheißen die Füße sauber.
Nachsatz: Walter mußte der Titel Fuchs aberkannt werden,
degradierte sich ein paar Tage später doch zum Karpfen: Er
fraß einen Köder samt Haken. Wie das Schicksal so spielt, kam
ein paar Minuten vorher der Fischer mit seinem Sohn an Bord,
um ein paar Tage zu fischen. Nur mit großer Mühe gelang es ihm,
den tobenden Walter mit einem unerbittlichen Griff zu
bändigen, während ich mich hektisch mühte, den Haken mit einer
Zange aus dem Katzenmaul zu operieren.Ja, Fischermeister
Lasner! Ich könnte keinen Menschen aus meinem bisherigen
Leben benennen, der diese Leistung, wo energisches, schnelles
und beherztes Handeln gefordert war, gebracht hätte. Bleibt
als offene Frage, ob Walter den Haken auch verschluckt hätte,
wenn der Fischer nicht gekommen wäre, oder ein bißchen früher
oder später, oder ohne seinen Sohn, oder mit seiner Frau und
seinem Hund? Hätte?
Als ich auf den Booten wohnte, lag der Flottenverband übrigens
auf der Havel bei Brandenburg - und es war November.
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