VORWORT ZUR ZWEITEN AUSGABE 1918
Der Jahreslauf hat sein eigenes Leben. Die Menschenseele kann dieses
Leben mitempfinden. Läßt sie, was von Woche zu Woche anders spricht
aus dem Leben des Jahres, auf sich wirken, dann wird sie sich durch
solches Mitleben selber erst richtig finden. Sie wird fühlen, wie ihr
dadurch Kräfte erwachsen, die sie von innen heraus stärken. Sie wird
bemerken, daß solche Kräfte in ihr geweckt sein wollen durch den
Anteil, den sie nehmen kann an dem Sinn des Weltenlaufes, wie er sich
in der Zeitenfolge abspielt. Sie wird dadurch erst gewahr werden,
welche zarte, aber bedeutungsvolle Verbindungsfäden bestehen
zwischen sich und der Welt, in die sie hineingeboren ist.
In diesem Kalender ist für jede Woche ein solcher Spruch verzeichnet,
der die Seele miterleben läßt, was in dieser Woche als Teil des
gesamten Jahreslebens sich vollzieht. Was dieses Leben in der Seele
erklingen läßt, wenn diese sich mit ihm vereinigt, soll in dem Spruche
ausgedrückt sein. An ein gesundes « Sich-eins-Fühlen» mit dem Gange
der Natur und an ein daraus erstehendes kräftiges «Sich-selbst-
Finden» ist gedacht, indem geglaubt wird, ein Mitempfinden des
Weltenlaufes im Sinne solcher Sprüche sei für die Seele etwas, wonach
sie Verlangen trägt, wenn sie sich nur selbst recht versteht.
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