In meinem Leben begleitete ich einige Menschen auf ihren mehr
schweren Wegen. Das war nicht immer angenehm, das war sogar oft
sehr unangenehm, wenn ich ehrlich bin. Aber andererseits konnte ich in
den Jahren eben Erfahrungen sammeln, die ich zu dem rein
theoretischen Wissen aus Büchern auch brauchte, um mehr und mehr
"intuitiv verstehen" zu können, was bei Betroffenen wirklich los ist -
und ich meine die wirklich Realität eines Menschen sehen und
analysieren können, und nicht den Schatten von verschiedensten
Masken hinterher rätseln. Das Kernproblem derer, die nach Hilfe
rufen, ist nämlich sehr erfinderisch, sich zu verstecken, sich zu tarnen
- ein völlig anderes Bild von sich zu zeichnen. Volksmund sagt: nach
außen hui, nach innen pfui.
Die erste Bedingung für das Erkennen des Kernproblems ist die
"Nähe" des Analytikers, die Beziehung zu einem Menschen. Insofern
behaupte ich: wer nicht völlig wertfrei und im Sinne von Freundschaft
allein das Wohl eines Menschen im Sinn hat, wird niemals ein
hilfreicher Begleiter sein können. Man darf sich jedenfalls, und ich
sage das auf einen konkreten Fall bezogen, keinesfalls über das aus
vom zentralen Problem gesteuerte Verhalten ärgern. Was nicht leicht
ist, denn ein zentrales Problem kreiert auf der Verhaltensebene
einige sehr beziehungsfeindliche Muster oder Rollen, die einerseits
darauf gerichtet sind, den Helfer an sich zu binden, andererseits
genau das Gegenteil bezwecken, ihn zu verjagen - aus einem ganz
einfachen Grund: wer mit seiner Wahrheit, sprich der wirklichen
Identität konfrontiert wird, findet das alles andere als angenehm,
und wenn der Helfer dann auch noch in die Nähe des Punktes kommt,
wo es richtig weh tut, nämlich wo die alten Verletzungen begraben
sind, kann es im Miteinander sehr unangenehm werden und dazu
führen, dass die Freundschaft Schaden leidet.
Erich Fromm - Hoffnung
Das Wesen von Freundschaft
Man muss wissen, dass der innerlich (schwer) verletzte Mensch nicht
stabil ist, weder in seinem Verhalten noch in seinen Überzeugungen
und Werten. Das ist selbst dann der Fall, wenn eine gewisse
Gradlinigkeit zu beobachten ist
Wer sich für Alles interessiert kommt leicht zu dem Gefühl, alles zu
wissen. Allein das stimmt natürlich nicht, aber noch weniger stimmt,
dass dieser Mensch alles kann.
Sturheit.
Ich möchte mein Thema abschließen mit der Feststellung:
Keine Therapie ohne Freundschaft, und keine Freundschaft ohne
Therapie. Therapie ist sinnlos ohne eine freundschaftliche Beziehung,
und eine Freundschaft, in der Therapie nicht gewollt oder
verunmöglicht wird, ist keine Freundschaft, jedenfalls keine von
Dauer/Wert.
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