Wer hätte nicht schon mal nach Hilfe und Helfern für
seine Probleme gesucht. In Familie und Freundeskreis
finden sich Helfer und gleichermaßen Betroffene, auch
Zuhörer. Unprofessionelle Hilfeleistungen sind jedoch
selten kompetent, und auch an den Fähigkeiten des
Fachpersonals, Therapeuten und Analytikern (an den
Seelsorgern kraft göttlicher Fügung natürlich nicht), darf
durchaus gezweifelt werden.
Ich schreibe hier über gut gemeinte Ratschläge. Die
haben ja durch ihre Form, der Anteilnahme, bereits einen
heilenden Effekt. Hier geht es eher um die Inhalte, die
einen notleidenden Menschen wie Schläge treffen können.
Gesagt sei dazu, dass ein Schlag ganz verschiedene
Wirkung haben kann, eine positive (konstruktive) oder
negative (destruktive). Während es den einen an sein
Unvermögen erinnert und ihn depressiv stimmt (ich bin ein
Versager), besinnt sich ein anderer darauf, welch ein
Unsinn ihm erzählt wurde und wird - zu Recht - wütend
und kommt in Kontakt zu seinen Selbsterhaltungs- oder
Selbstheilungskräften.
Vor einiger Zeit gab es die auslösende Situation für
meinen Beitrag. Eine Frau in höchster Not meldet sich bei
mir. Anteilnehmende Worte, Aufmerksamkeit, mehr
konnte ich in der gegenwärtigen Situation nicht leisten.
Auf mein "Tschüss" folgt ein weiterer Anruf, dann noch
einer. Was sollte ich nur tun? Mein weiblicher Gast,
bewandert in allerlei Techniken zur Selbsthilfe, sagte:
"Sie soll mal ein Mandala malen", und ich plapperte das
brav nach: "Mal doch mal ein Mandala". Der folgende
Wutausbruch klingt noch heute in meinen Ohren:
"Wenn ich ein Mandala malen könnte, würde ich Dich nicht
anrufen"!
Bevor ich diese Geschichte weiter erzähle, berichte ich
mal kurz von einer Freundin, Heilpraktikerin und feine
Dame der Gesellschaft mit einem tollen Haus an einem
Kanal gelegen, die schwerste Depressionen hatte. Ihre
Geschwister, mit einer Bildung weit über Durchschnitt,
warteten mit einer ganz besonderen Hilfeleistung auf,
sagten:
"Du hast doch alles".
Was implizierte, ihr Befinden könne ja gar keinen realen
Hintergrund haben, sie solle statt depressiv mal lieber
zufrieden sein. Auch der Vorwurf der Undankbarkeit
steckt in diesem RatSCHLAG.
Es gibt drei Aspekte zur Hilfe, über die ich hier vorerst
abschließend sprechen möchte.
1. Es gibt Menschen, die wollen sich nicht helfen lassen.
Kennt ihr den Sketch, wo der Polizist die alte Dame über
die Straße bringen will - mit Gewalt! Sehr lustig, aber das
Prinzip ist teils bittere Realität. Ja, man kann niemanden
zu seinem Glück zwingen, und was man selber für
erstrebenswert hält, kann auf keinen Fall für alle gelten.
2. Es gibt Menschen, die WOLLEN ihre Wahrheit nicht
erzählen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Entweder
sie schämen sich ob der Intimität oder ihres Versagens,
oder sie befürchten bestraft zu werden, oder sie wollen
einfach irgend eine Geschichte erzählen, um z.B.
Aufmerksamkeit zu bekommen. Denen ist kaum zu helfen,
und oft brauchen diese Typen auch keine Hilfe.
3. Es gibt Menschen, die KÖNNEN ihre Wahrheit einfach
nicht erzählen, weil sie so furchtbar ist, dass sie die
Realität nicht konfrontieren können. Die schweigen, sie
schweigen und warten, bis jemand kommt, von dem sie
fühlen, er können sie auf dem Weg in das Dunkel ihrer
Biografie begleiten, sie halten und an ihnen fest halten.
Ich glaube, von diesen verschlossenen Menschen gibt es
sehr viele. Sie leben nicht authentisch, bauten sich eine
"künstliche" Fassade um ihre Identität und leben in der
Hoffnung, ihre Illusionen könnten Bestand behalten. Sehr
schwer, da zu helfen. Es gibt unter den vielen nur ein paar
wenige, die genügend Mut haben und einen charakterlich
einwandfreien Kern.
Es gibt menschliche Probleme, die sehr schwer sind; oft
bleiben sie verborgen. Man kann anhand eines Verhaltens
und anderer Symptome oft nur ahnen, was an Ursachen
dahinter steckt. Hilfe gibt's wenig. Weder Therapie noch
Psychiatrie, weder Familie, Freunde oder Kollegen können
mehr tun, als da zu sein, zuzuhören, anteilzunehmen.
Ratschläge sind schwer zu geben, und man sollte es nicht
leichtfertig mit irgend welchen banalen Zeitschriften-
Tipps tun. Mandalas malen kann entspannend sein,
meditativ, kann von aktuellen Krisen ablenken, aber eine
echte Hilfe ist das Malen nicht. Wer Mandals malen kann,
braucht keine Hilfe, so meine ich.
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