Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Menüknopf

Mensch und Tier - Der Schwan

        Der Schwan

        Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
        schwer und wie gebunden hinzugehn,
        gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
        Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
        jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
        seinem ängstlichen Sich-Niederlassen -:

         in die Wasser, die ihn sanft empfangen
        und die sich, wie glücklich und vergangen,
        unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;
        während er unendlich still und sicher
        immer mündiger und königlicher
        und gelassener zu ziehn geruht.


          Rainer Maria Rilke

Stiller Augenblick

Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern
Streifend an abendrötlichen Weihern
Wallest du deine Bahn;
Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,
Wo an herbstlichen Uferhöhen
Zieht entlang ein stummer Schwan.

Still und einsam schwingt er die Flügel
Tauchet in den Wasserspiegel,
Hebt den Hals empor und lauscht;
Taucht zum andern Male nieder,
Richtet sich auf und lauschet wieder,
Wie's im flüsternden Schilfe rauscht.

Und in seinem Tun und Lassen
Will's mich wie ein Traum erfassen,
Als ob's meine Seele wär',
Die verwundert über das Leben,
Über das Hin und Wiederschweben,
Lugt' und lauschte hin und her.

Atme nur in vollen Zügen
Dieses friedliche Genügen
Einsam auf der stillen Flur!
Und hast du dich klar empfunden,
Mögen enden deine Stunden,
Wie zerfliesst die Schwanenspur!

Gottfried Keller

Nicht umsonst taucht der Schwan in der Kunst immer wieder auf - in Gedichten, Märchen, Mythen, Bildern und in der Musik. Nicht umsonst übt er eine solche Faszination auf den Menschen aus. - Auch auf Wolfgang, der ihn hier so wunderschön fotografiert hat

Man fühlt ihm sich verbunden. Vielleicht, weil er uns an unseren Ursprung erinnert, an die Reinheit, die Anmut, die Sanftheit und die Freiheit unserer Seele.

Susanne

zu Camille Saint-Saens
"Der Schwan"